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Sind Kosten für eine Dauertestamentsvollstreckung abzugsfähig?

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(BFH, Urteil vom 08.11.2017 - IX R 32/16) Der Bundesfinanzhof hat in einem Urteil vom 08.11.2017 - IX R 32/16 entschieden, dass die Kosten einer Dauertestamentsvollstreckung bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung, die aus der Verwaltung des Nachlasses erzielt wurden, als Werbungskosten abzugsfähig sind.

Der Entscheidung lag folgender Sachverhalt zugrunde:
Die Klägerin ist Alleinerbin ihrer verstorbenen Mutter und erbte zwei vermietete Mehrfamilienhäuser und umfangreiches Kapitalvermögen. Die Mutter hatte zu Lebzeiten eine Testamentsvollstreckung für die Dauer von 20 Jahren festgesetzt. Der Testamentsvollstrecker sollte hierfür als Vergütung jährlich 1,5 % vom Bruttonachlass erhalten. Die Klägerin und ihr Ehemann, der Kläger, gaben die Vergütung des Testamentsvollstreckers als Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen und bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung an. Sie teilten die Kosten im Streitjahr nach dem Verhältnis der Nachlasswerte im Zeitpunkt des Erbfalls auf.

Der BFH stellte fest, dass die Maßnahmen der Verwaltungsvollstreckung durch den Testamentsvollstrecker mit den aus dem Nachlass zu erzielenden Einnahmen in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen würden und daher je nach Einkunftsart entweder als Werbungskosten oder als Betriebsausgaben berücksichtigt werden könnten. Im Falle einer Dauertestamentsvollstreckung habe der Testamentsvollstrecker ähnliche Aufgaben wie ein Hausverwalter. Deswegen könnten die dafür anfallenden Kosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung als Werbungskosten geltend gemacht werden.
Wenn sich der Anspruch des Testamentsvollstreckers nach dem Nachlasswert bemessen würde und aus der Verwaltung des Nachlasses noch andere Einkünfte erzielt würden, könnten die Kosten nicht nach dem anteiligen Zeitaufwand des Testamentsvollstreckers aufgeteilt werden.
Der BFH legte fest, dass die Aufteilung der einheitlichen Kosten der Testamentsvollstreckung auf verschiedene Einkunftsarten von der Zusammensetzung des Nachlasses im jeweiligen Veranlagungszeitraum abhängig sei.

Eingetragen: 23.01.2018

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